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09.01.2001 17:21:35 von
Evelyn
(eve@cafe-ludwigs.de)
aus Bad Segeberg, Deutschland
Manchmal lohnt sich Warten doch
Der "GM" ist sicherlich kein einfacher Wein. Und mißtrauisch geworden durch schlechte Erfahrungen mit Weinen, die nach einer "Reifeperiode" von mehreren Jahren vom häßlichen Entlein zum stolzen Schwan mutieren sollten (es aber so gut wie nie taten...)fiel mein erster Kommentar nach einer Probe dementsprechend argwöhnisch aus: der Wein hat Frucht, Kirsche vor allem, ein wenig Schlehe, dunkle Beeren. Den Geruch lassen wir gleich weg, so verhalten ist das Bouquet. Die Tannine streng; ist das Struktur oder ein Zungenpeeling? Ist das vom Holz? Wie lange war er denn da drin? Kein Wunder, daß einem der Wein einen langen Abgang beschert...Ob der jemals weicher wird? Und was ist daran ein Merlot? - Das war 1998 - Anläßlich der Forum Vini 2000 verkostete ich den Wein erneut und war mehr als umgestimmt. Der am Vortag geöffnete Wein duftete himmlisch intensiv, im Umkreis von 3m drehten sich die Köpfe, und die Näschen zuckten, als ich mein Glas schwenkte. Immer noch ein Monster, keine Frage! Aber die verschiedenen Geschmacksebenen beginnen sich zu erschließen, die Tannine sind merklich einladender, d.h. weicher geworden (auch schon bei der frisch geöffneten Flasche, aus der ich auch probieren konnte). Das Gute ist, daß das zu einem Zeitpunkt beginnt, an dem der Wein noch nicht alt ist. Auch nach über 24 Stunden keine noch so winzige Spur von Oxidation. Im Grunde genommen ist er ja auch noch ein Youngster. Aber schon jetzt zeigt sich, daß sich ein wenig Geduld lohnen kann, wenn ein Meister den Wein gemacht hat. James Irvine hat einfach recht, wenn er sagt, der GM sei auf eine Trinkreife ab einem Alter von ca. 6 Jahren hin ausgelegt. Genauso verficht er das mehrstündige Dekantieren vor dem Weingenuß - das gar nicht so unsinnig ist, wie ich es früher (schnell ran an den Stoff!) immer gedacht und dementsprechend ignoriert habe.
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08.02.2001 16:24:55 von
Foxy Lady
(sinjesonne@freenet.de)
aus Kiel
Angst!
Das Schätzchen ruhte schon 10 Stunden im Dekanter bevor ich ihn endlich ins Glas bekam: Doppelblindprobe. Wow, lange nicht mehr getrunken und doch wiedererkannt! Schon in der Nase das absolute Fruchtmonster: schwarze Kirschen, Schlehe, Brombeere und viel, viel Johannisbeere. Tolle Gewürznoten. Obwohl er noch verschlossen wirkt, ist er jetzt schon so unendlich rund und weich. Die Tannine sind toll eingebunden und ganz feinkörnig. Ein intensiver Wein, der trotz seiner Wucht sehr viel Eleganz ausstrahlt: rund, rund, rund!
Die Geschmacksintensität grenzt an Körperverletzung, zumal sich mein Glas zu schnell leerte - man bekommt Angst vor dem Trinkhöhepunkt: absolute Suchtgefahr!
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09.02.2001 18:00:46 von
Sheeraz aus Deutschland
No Monster but a Giant!
Ich kann den anderen nur beipflichten, dieser Wein ist eine Sünde wert und spielt in einer Klasse für sich. Frucht (Kirsche), Holz (absolut in Proportion dazu), Eindringlichkeit (man schmeckt ihn wirklich als "vollständig", kein Loch, keine Schwäche), Eleganz (die irgendwie stimmungsmäßig total erhebend wirkt), Struktur (er wird bei jedem Schluck interessanter und gibt sein Geheimnis doch nicht preis)... Mit diesem Wein ist man nach dem ersten Mal noch lange nicht fertig, aber auf eine komische Art stellt sich ein wenig Stolz ein, weil man anfängt zu kapieren, wieso das ein "großer" Wein ist. Merke: Doppelblindprobe mi 9 anderen argwöhnischen Trinkern, die die Anonymität eines jeden Weines nur über ihre (oder eher meine?) Leiche gefährden würden. Teuer ist er schon. Aber er macht glücklich.
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19.02.2001 23:29:52 von
Sascha
(grand_merlot@usa.net)
aus Hamburg
Ja, ich will !!!
Das Auge des Sterblichen beginnt spätestens beim Anblick dieses lebendigen Weines daran zu zweifeln, ob das Paradies erst nach dem Tod betreten wird. Und dann der Geruch. Dieser verdammt gute, fruchtige und unendliche, geradezu schier nicht enden wollende wohltuende Geruch eines weichen Amarena Vollbads. Raus aus dem Netz (FOXY), rein in die Wanne! So könnte man den Vorgang des Dekantieren visualisiert umschreiben, der der Befreiung des edlen Tropfens wohl am nächsten kommt. Nach langem Durchatmen erscheint es wie der Frontalangriff eines 67er Chevys, dessen Kühlergrill sich ganz sanft über die Route 66 schiebt, dabei genüsslich die Säfte seines Antriebs verzehrt. Definitiv 100 ParTNer-Punkte beim Genuss zu zweit. No way out: *****
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24.07.2001 17:56:03 von
Frankman
(triangle-research@t-online.de)
aus Unterföhring
Verkostung auf Forum Vini 11/00
Flasche war ca. 36 h offen. Hyperdichtes Rubin-Granat. Extrem kraftvolles Bukett mit Brombeere, amerikanischer Eiche, Phenol, Kräuter, estriger Brombeere, enormen Mengen an Kräutern und Tabak. Am Gaumen extrem dicht, druckvoll und hyperkonzentriert. Vollester Körper, noch heftiges Tannin, Tonnen von estriger Brombeere, Kräuter, leichte süß-sauer-Noten und etwas Gras. Eine brutale Attacke am Gaumen. Noch unendlich verkapselt. Enorme Länge. Ein Merlot-Monster in einer selten zu findenden, schmerzhaften Konzentration, das noch viel, viel Zeit zur Reife benötigt. Braucht viel Luft zur Entfaltung (eine frisch geöffnete Flasche zeigt zwar die gleichen beeindruckenden Ansätze, aber weit nicht die Komplexität, Tiefe und Struktur). 2008 - 2025+. 19,0 - 19,5 / 98 Punkte.
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