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[2. Juli 2008]
wir kommen mit dem flieger aus frankfurt, haben noch ein paar stunden
aufenthalt in singapur, das mit dem neuen terminal den schönsten flughafen
der welt hat, und fliegen dann weiter nach adelaide, wo wir am 3.
früh morgens ankommen sollen.
zum glück wird uns leigh (gilligan)
vom flughafen abholen, so daß wir für die erste längere ausfahrt auf der
ungewohnten linken strassenseite jemanden haben, der voraus fährt.
SINGAPUR

Hier in singapur ist es um kurz nach neun ortszeit schon dunkel, zuhause ist
es man gerade drei uhr nachmittags und noch „gestern“. Nach zwölfeinhalb
stunden flug fühlen wir uns überraschend gut. Es wäre ohnehin jammern auf
hohem niveau, wenn man bedenkt, dass derlei entfernungen dereinst nur mit
expeditionsähnlichen monatelangen reisen zu überbrücken waren,
gekennzeichnet durch exotische krankheiten und entbehrungen. Wir hingegen
haben uns in einen flieger gesetzt, sind mal eben um die halbe welt
geflogen, um jetzt auf einer kleinen landzunge an einem plätschernden mit
kois besetzten künstlichen indoor-bach etwas zu relaxen, bevor wir den
letzten teil unserer anreise antreten.


changi airport ist ganz zu recht
als besonders schöner und komfortabler flughafen bekannt.
www.changiairport.com
um viertel vor zwölf fliegen wir nach guten sechs stunden aufenthalt weiter
nach adelaide, wo wir am frühen morgen ankommen werden. Leigh hat
versprochen, uns vom flughafen nach hause zu lotsen.
[3. Juli 2008]
ADELAIDE
10 vor acht gelandet, die frisur
sitzt. leigh begrüßt uns am flughafen und in dankbarer kolonnenfahrt (linksverkehr!)
geht es durch die rolling hills des mclaren vales zu unserer ersten station.
leigh hat zusammen mit drew dowie
und dessen frau lulu eine überraschung für uns: unser zuhause für die
nächsten tage ist ein kleines cottage inmitten der 70 Jahre alten chenin
blanc lage "tintookie", aus der der dowie doole chenin blanc kommt.

christina mordhorst in "unserer"
küche
Blick aus dem wohnzimmer des
cottages:
(zum vergrößern bitte anklicken )


die koffer ausgeladen und die
tagesparole ausgegeben: WACH BLEIBEN.
es bleibt noch ein wenig zeit für einen schnellen lunch. wir treffen drew
dowie im "market 190" in mclaren vale. dort gibt es die besten
frisch gepressten gemüsesäfte. ingwer-apfel-orange-rote-beete? - hier ganz
normal...

v.l.:leigh, drew dowie, christina
ERSTER STOP:
NOON

wer
könnte uns besser wach halten als rae und drew noon? in dieser hoffnung
haben wir den termin an den anfang gesetzt, zumal die beiden direkt "nebenan"
wohnen. dachten wir jedenfalls, aber das ganze hat hier andere dimensionen.
es handelte sich lediglich um eine 15minütige fahrt.
ich habe die beiden lange nicht gesehen und freue mich,
endlich auch die kinder und den berüchtigten (aber lieben) riesigen hund kennen zu lernen.
die begrüßung
könnte nicht herzlich sein: eine große bellende dogge, ein
labrador-retriever-welpe und ein ebenso "großer" harper noon (ca. 3 Jahre
alt) auf seinem fahrrad:

"hallo, ich fahr schon drei tage
ohne stützräder!"
Rae und Drew
machen mit uns einen rundgang durch die dem haus am nächsten gelegenen
weinlagen, die hauptsächlich in den eclipse und den zweitwein "twelwe bells"
gehen, der nicht exportiert wird und nur ab weingut im dutzend verkauft
wird.
interessant dabei
ist vor allem, daß es sich noch um alte bush vines handelt, die nicht
erzogen sind, d.h. sie werden nicht an spalieren hoch gezogen. das macht sie
wesentlich unbequemer in hege und pflege und natürlich beim ernten, aber so
sehr der rücken auch leiden mag, drew schwört darauf, daß die rebstöcke
sowohl hitze besser standhalten als auch dadurch, daß die einzelnen triebe
nicht so eng zusammen geschoben sind, sich das sonnenlicht besser verteilt
und weniger pilzerkrankungen auftreten, weil sich nirgends hitze oder
feuchtigkeit stauen können. so werden sie dann auch steinalt und liefern
beste qualität.
die wurzeln sind
so tief, daß auch die dürren der letzten jahre nur wenige opfer forderten.
selbst die kleine
neu angepflanzte parzelle ist als bush vines angelegt, auch wenn, wie drew
lächelnd erzählt, das pruning (beschnitt), das gerade ansteht, die hölle
ist. "wir rutschen dabei auf den knien herum, so niedrig sind sie
noch", sagt rae und lacht.
stolz zeigen die
beiden uns die in zweijähriger arbeit zusammen mit nur einem baumeister
selbst gebaute winery. das abpackzimmer wird gerade von tochter indie besetzt
gehalten, die hier außerhalb der saison einen kleinen "gemischtwarenladen"
betreibt:

von links, laut indi: "dunkle schokolade, heiße chips,
lollipops, thymian, eiscreme und limonade..." und wir dachten zuerst doch
tatsächlich, es seien steine und blätter :)
nachdem wir
*dunkle schokolade* und *thymian* gekauft haben, dürfen wir in den tasting
room, in dem auch raes selbst gemalte bilder hängen, ebenso wie ihre fotos.

wir würden
jedem einen besuch hier empfehlen, aber die winery hat nur zwei wochen im
jahr für publikum geöffnet, weil die weine sofort ausverkauft sind.
verkosten im üblichen sinne steht deshalb auch nicht auf der liste, aber
drew bietet uns einen gereiften shiraz an, sowie einen jungen cabernet.

drew & indi

rae und christina
VERKOSTUNGSLISTE
1999 Noon
Reserve Shiraz
der wein war einige stunden zuvor geöffnet worden und präsentiert sich
zunächst immer noch jugendlich verschlossen. "den sollte man noch
dekantieren", sagt drew. nach einiger zeit im glas dann cassis, lakritz und
saftige brombeere. im ganzen ist der shiraz zahmer und feiner geworden, hat
aber immer noch "grip", also griffige tannine, die den wein angenehm
strukturieren und eine noch lange zukunft bescheren. ab dem nächsten jahr
wird der wein wohl in die phase des größten genusses eintreten. 1999 war
durchaus relativ kühl, die weine sind deshalb spätentwickler, die ein langes
leben haben und im alter immer besser werden. auf der noon website werden
rae und drew demnächst aktuelle tasting notes veröffentlichen, in denen sie
auch ältere jahrgänge beschreiben - "damit unsere kunden, die oftmals nur
ein oder zwei flaschen haben, wissen, wann sie sie öffnen sollten". das ist
typisch für die beiden, die ihre kunden sehr schätzen und kein bißchen
abgehoben sind.
2006
Noon Reserve Cabernet
ganz frisch, klar, fast mathematisch geordnet. eine tolle ziselierte
frucht mit schlehe und kisch, dazu ein minziger hauch, vielleicht eine spur
holunderbeere. im ganzen ein toller wein, der auf den zweiten blick schwer
beeindruckt und seine 16% alkohol nicht annähernd vermuten läßt. drew läßt
die weine inzwischen noch länger auf der maische, weil genau das die
struktur so verbessert, ohne sie durch zuviel holz zu überfrachten. chapeau!

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